Deutsch

LEHRPLAN DEUTSCH

UNTERRICHTSZIELE

 

Der Lehrplan der Kantonsschule Kreuzlingen für das Fach Deutsch ist in bezug auf die Leitideen und Ziele identisch mit den im LTM formulierten fachspezifischen Festlegungen. Daher werden hier nur die schulortsspezifischen Ergänzungen, Besonderheiten, Spezifizierungen und detaillierteren Konkretisierungen gedruckt.

 

UNTERRICHTSINHALTE

 

1. Sprache

 

Beispiele: Grammatik: Phonetik, Morphologie, Syntax: Satzglieder, Satzgliedinnenbau, Haupt- und Nebensatz, Interpunktionslehre; Wortschatz: Erb-, Lehn- und Fremdwortgut, Wortfamilie, Wortfelder, Wortbildung, Wortarten, Namen und Appellative, Wortbedeutung und -bedeutungswandel; Sprachgeschichte: Sprachwandel, Alt-, Mittel- und Neuhochdeutsch; dialektologische (Mundart und Schriftsprache, Schweizerhochdeutsch, Dialektwörterbücher und -atlanten), soziolinguistische (Sprachnormen, Soziolekte, Frauensprache und Männersprache, Fachsprachen und Sondersprachen, Sprachpolitik, Sprachlenkung, Stil) und psycholinguistische Fragestellungen (Idiolekt, Spracherwerb, Sprachbiografie) usw.

 

2. Literatur

 

Die Lektüre in der ersten Klasse ist vorwiegend oder ausschliesslich thematisch und dient unter anderem der Einführung in die Gattungstheorie.

 

Der Literaturunterricht ab der 2. Klasse folgt in den Grundzügen einem literaturgeschichtlichen Schema und berücksichtigt dabei exemplarisch Werke aus den wichtigsten Literaturepochen vorwiegend der Neuzeit. Der Vergleich motivlich ähnlicher Werke, die Ausrichtung auf das Lektüreinteresse einer Klasse, das Abstimmen auf das aktuelle Theater- und Kulturangebot, das Ausgreifen auf nichtfiktionale, theoretische Texte aus Alltag, Wissenschaft, Wirtschaft und Technik, der Einbezug von Texten aus fremden Kulturen und der Bezug auf aktuelle politische und literarische Ereignisse und Gedenktage sowie die Berücksichtigung literaturtheoretischer Traktate ergänzen die Werkauswahl unter literaturgeschichtlichem Gesichtspunkt.

 

Der Literaturunterricht vertieft das Verständnis für formale Aspekte eines Werkes, indem Struktur, Erzählperspektive, Stil, Gattungszugehörigkeit (Gedicht, Roman, Novelle, Parabel, Kurzgeschichte, Anekdote, Satire, Komödie, Tragödie), Metaphorik, Rhythmus, Lautgewand usw. analysiert werden.

Der Literaturunterricht vermittelt unter anderem durch Beizug theoretischer Werke auch ästhetische und kunsttheoretische Kenntnisse und Einblicke in die Literatursoziologie und den Literaturbetrieb.

 

Der Sprachunterricht führt in die Eigentümlichkeiten der verschiedenen Gebrauchstextsorten ein (Abhandlung, Betrachtung, Beschreibung, Kommentar, Brief, Gesuch, Rezension, Glosse, Essay usw.).

 

Der Deutschunterricht weist auf die Unterschiede zwischen Rede- und Schreibsprache und auf die Besonderheiten der rede- und schreibsprachlichen Techniken des Kommunizierens hin.

 

DIDAKTISCH - METHODISCHE HINWEISE

 

Arbeitsweise

 

Für einen Unterricht, in dem Schülerinnen und Schüler Eigenständigkeit gewinnen sol­len, werden grundlegende, fächerübergreifende Arbeitstechniken eingeübt:

- Lese- und Notiertechnik

- kreative Arbeits- und Ideentechnik

- Möglichkeiten der Informationserschliessung und - verarbeitung (inkl quellenkritisch angelegter Internetrecherche)

- Techniken der Textproduktion, insbesondere Textplanung und -überarbeitung.

 

Die Erschliessung der vielfältigen Sinn- und Bedeutungsdimensionen literarischer Texte steht im Vordergrund. Nebenher gehen Übungen zur Steigerung der Kenntnisse bei der Suche nach Sachliteratur und zur Erhöhung der Fertigkeit bei deren Verarbeitung.

 

Der Umgang mit verschiedenen Medien wird rezeptiv und produktiv geübt.

Beispiele: Vergleiche von Zeitungen und Zeitschriften, Analyse von Werbetexten, -seiten, -plakaten oder -spots, Videografieren und Video- und Filmanalysen usw.

 

Der Sensibilisierung für die Besonderheiten und Qualitäten literarischer Texte dienen auch kreative Schreibanlässe (Verfassen eigener belletristischer Texte und Gedichte, Umformungen, Aktualisierungen, Umfunktionierungen, Verfremdungen, Visualisierungen literarischer Texte usw.) und szenische Übungen und Spiele.

 

Der Anregung und Vertiefung des Deutschunterrichts dienen auch Begegnungen mit Kulturschaffenden und Besuche kultureller Veranstaltungen.

 

Der Beizug von Theaterpädagogen und von anderen professionell mit dem Theater befassten Personen sollte institutionalisiert werden.

 

QUERBEZÜGE

 

Im Hinblick auf die grundlegende Bedeutung des muttersprachlichen Unterrichts für das Selbst- und Weltverständnis werden Zusammenhänge mit anderen Fachbereichen hergestellt.

 

Beispiele: Vergleiche der Strukturen von Muttersprache und von Fremdsprachen. Besonders oft ergeben sich Querbezüge zwischen Literaturgeschichte einerseits und allgemeiner Geschichte oder Kunstgeschichte anderseits.

 

UNTERRICHTSORGANISATION

 

Die Förderung der Sprachkompetenz ist das Hauptanliegen des muttersprachlichen Unterrichts. Insbesondere die Förderung der mündlichen Sprachkompetenz ist an ausgiebiges, vielfältiges und intensives individuelles Üben gebunden, wozu der Klassenverband nur bedingt geeignet ist. Um beispielsweise den Schülerinnen und Schülern mehrmals Gelegenheit zu geben, sich im Hinblick auf die vorgeschriebene mündliche Präsentation der Maturarbeit die erforderlichen vortragstechnischen Fähigkeiten zu erwerben, ist es notwendig, mehrere Referatsserien einzuplanen (hierbei werden computergestützte Präsentationstechniken erlernt und geübt); sollen dabei einerseits die Klassenkameradinnen und Kameraden nicht mit allzu langen Serien ermüdet und anderseits die Zahl der Vortragsreihen verdoppelt werden, ist die Aufteilung in Halbklassen unabdingbar. Damit die Schüler und Schülerinnen ferner unterschiedliche Formen des Redens und Diskutierens beherrschen lernen können, ist es nötig, nebst der Diskussion im Klassenverband auch Gesprächssituationen zu schaffen, in denen die Schülerinnen und Schüler in betreuten und beobachteten Kleingruppen verbal intensiv interagieren können (Rede und Gegenrede, Interview, Gesprächsleitung usw.).

Nur in Kleinklassen ist es möglich, den Schülerinnen und Schülern immer wieder individuelle kritische Rückmeldungen über ihr Diskussionsverhalten und ihre Argumentationsstrategie zukommen zu lassen und so individualisierte Sprachkompetenzförderung zu betreiben.

Auch die Förderung der schriftlichen Sprachkompetenz setzt die Möglichkeit voraus, die Schülerinnen und Schüler über ihre Schreibleistungen und namentlich über die darin möglicherweise enthaltenen formalen, inhaltlichen, sprachlichen, stilistischen, gedanklich-argumentativen und psychologischen Mängel individuell zu informieren und deren Analysekompetenz im Gespräch zu steigern. Die Einführung einer in einigen Kantonen üblichen Besprechungslektion ist zu erwägen.

clearGifCol2